Tattoo-Pigmente könnten Immunreaktionen und Impfantwort beeinflussen
Tätowierfarben bestehen aus Pigmenten und Rußpartikeln, die beim Stechen tief in die Haut eingebracht werden. Eine neue Untersuchung zeigt, dass ein Teil dieser Stoffe über die Lymphbahnen in nahegelegene Lymphknoten gelangt. Dort treffen sie auf Makrophagen – Zellen der frühen Immunabwehr –, die die schwer abbaubaren Partikel nur begrenzt verarbeiten können. In einer Studie zeigte sich, dass viele dieser Abwehrzellen absterben. Die daraus resultierende, teils monatelange Entzündungsreaktion könnte sich auf Impfantworten auswirken.
Es zeigte sich bei Untersuchungen an Tieren, dass schon Minuten nach dem Tätowieren Farbreste in den Kniekehlenlymphknoten auftraten. Die Pigmente lagerten sich über Wochen in bestimmten Regionen der Lymphknoten ab. Während Makrophagen die Partikel früh aufnehmen, gelangen einige auch zu dendritischen Zellen, die die Immunantwort aktivieren. Bei roten Pigmenten zeigte sich die stärkste Belastung; grüne Farbstoffe führten zu deutlich geringeren Reaktionen. Der Untergang der Makrophagen rief lokale Schwellungen und erhöhte Entzündungsmarker hervor.
Um zu prüfen, wie sich dies auf Impfungen auswirkt, wurden die Tiere zwei Tage oder zwei Monate nach dem Tätowieren geimpft. Nach einer COVID-Impfung entwickelten tätowierte Tiere weniger IgG-Antikörper. Ob dieser Effekt beim Menschen auftritt, ist unklar. Weitere Untersuchungen sind daher notwendig, um die möglichen Zusammenhänge zu bestätigen.
Capucetti, A. et al.
Tattoo ink induces inflammation in the draining lymph node and alters the immune response to vaccination
PNAS
11/2025
Akademische Lehrpraxis
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